Ein Leben ohne Medien ist heute nicht mehr denkbar, aber es fällt bei den meisten Medien auch schwer, sie als wirklich gut zu bezeichnen. Kommerzielle soziale Netzwerke erfinden z.B. immer wieder neue Mechanismen, um Nutzende noch länger innerhalb der Angebote des Anbieters zu halten. Trolle, Fake News und Hassbotschaften nehmen gleichzeitig großen Einfluss auf die Inhalte nehmen und Algorithmen können dazu führen, dass Nutzende nur Ausschnitte aus der Welt wahrnehmen. Das alles führt dazu, dass insbesondere soziale Netzwerke ein hohes Gefahrenpotenzial für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene haben. Es kann aber keine Lösung sein, Kinder und Jugendlichen deshalb den Zugang zu sperren. Vielmehr brauche es eine wirkungsvolle Regulierung aller Medien und gute Medienkompetenz bei den Nutzenden.
Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) ruft deshalb in ihrer Stellungnahme vom 15. Februar 2026 dazu auf, Plattformen nicht Jugendliche zu regulieren. „Der Digital Services Act, das Jugendschutzgesetz, die KI-Verordnung: Es gibt bereits Rechtsrahmen, die Schutz böten, wenn sie konsequent durchgesetzt würden.“ Außerdem weist die GMK auf bereits bestehende soziale Ungleichheiten hin: „Wer ausschließlich mit Verboten agiert, verstärkt bestehende Ungleichheiten, statt sie auszugleichen. Kinder- und Jugendmedienschutz muss daher auch sozialpolitisch gedacht werden und darf strukturelle Benachteiligungen nicht weiter verschärfen.“ Außerdem würde bisher auch in diesem Punkt die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen fehlen. Die Satire-Seite „Postillon“ geht noch einen Schritt weiter und meint, dass Erwachsene das eigentliche Problem sein. Auf einem Bild werden junge Menschen gezeigt, die souverän mit digitalen Medien umgehen und ein Social-Media-Verbot für Menschen über 40 Jahren fordern, weil diese auf jeden KI-Müll reinfallen würden.
Am Rande eines Workshops zu Künstlicher Intelligenz am 11. Februar 2026 lud Studienleiter Tobias Thiel gleich zu zwei Netzwerken ein. Zum einen traf sich die Landesgruppe Sachsen-Anhalt der GMK und verabredete eine intensivere gemeinsame Arbeit mit regelmäßigen Treffen, einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit und weiteren Veranstaltungen. Dazu gehört auch wieder das gemeinsame Schauen und Diskutieren der Big Brother Awards im Rahmen der Veranstaltung „Digital frei oder selbstbestimmt“ am 25. September 2026 in Merseburg.
Außerdem überreichten Diana Elsner vom Offenen Kanal Merseburg-Querfurt und Alexander Karpilowski vom Netzwerk Medienkompetenz Sachsen-Anhalt im Auftrag der bundesweiten Anlaufstelle „GAmM – gutes Aufwachsen mit Medien“ die offizielle Anerkung des lokalen Netzwerkes. Die Plakette soll gemeinsam mit den Netzwerkpartnern aus dem Landkreis Wittenberg beim nächsten Treffen angebracht werden soll. Bisher haben sich die Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin, Resowitt e.V., der Jugendclub „Techna“ der Volkssolidarität, und der Held:Innen-Werkstatt e.V. zusammengeschlossen, um zu zeigen und zu qualifizieren, wie Kinder mit Medien gut aufwachsen können, wie sie lernen Gefahren der Mediengesellschaft zu begegnen und Potenziale zu nutzen.
„Im Landkreis Wittenberg gibt es bereits gute Medienbildungsinhalte für Kinder und Jugendliche, die von verschiedenen Trägern durchgeführt werden.“, erläutert Thiel, der das lokale Netzwerk koordiniert. Allerdings würden diese bisher nicht systematisch erfasst und beworben, schon gar nicht gemeinsam vorgestellt. Um diese Lücke zu schließen lädt er deshalb zur Netzwerkarbeit ein. Andere Partner aus der Region sind herzlich eingeladen, ebenfalls für eine gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen mit Medien einzustehen: Kontakt über Tobias Thiel.



