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Das FairKleidung-Planspiel auf den KonfiCamps in Wittenberg

Nach unglaublich vielen spaßigen, tiefsinnigen und prägenden Erfahrungen neigen sich die KonfiCamps in Wittenberg dem Ende zu. In den letzten 3 Wochen besuchten ca 1400 Konfis die Lutherstadt, tauschten sich aus, lernten viele neue Gesichter kennen, retteten Luther auf die Wartburg und jagten jeden Samstag dem Frieden nach – unter anderem bei FairKleidung, einem Planspiel zur Unternehmensverantwortung im Textilhandel. Als PDF kann es heruntergeladen, gedruckt und nachgespielt werden. Im Erklärvideo erzähle ich etwas über Hintergrund, Ablauf und Nachbereitung des Spiels. Die Initiative Lieferkettengesetz informiert über die inhaltlichen Hintergründe und lädt zum Unterschreiben einer Petition ein.

Für mich war es der erste Besuch auf einer so großen kirchlichen Festival-Veranstaltung und ich war beeindruckt – von der Organisation, den vielen motivierten und engagierten Freiwilligen, den Angeboten zum Spaß haben, feiern aber auch Zeit, zur Ruhe kommen und in sich zu gehen. Donnerstags und freitags begleitete ich meist die Multiplikator*innen-Schulungen der Gemeinde-Teamer*innen zum Planspiel FairKleidung. Samstags machte ich Videos und Fotos des Friedenstags für eine Augmented Reality Ausstellung des Camps (mehr hierzu wird in einem weiteren Beitrag folgen) und besuchte die FairKleidung-spielenden Konfi-Gruppen in ihren Dorfzelten. Jede Woche war ich von neuem berührt, wie innovativ und kreativ die Jugendlichen in die Rollen schlüpften und Lösungsansätze verhandelten. Sie schlugen Wege ein, von denen sich die Industrie oftmals etwas abschneiden könnte. Worum es im Planspiel geht und was dabei so heraus kommen kann, genauso wie alle Materialien zum Download, folgen nun in diesem Beitrag.

Das Planspiel

FairKleidung führt die Spielenden an das Thema Unternehmensverantwortung und Lieferketten im Textilhandel heran. Als Käufer*innen in Deutschland, der fiktiven Modekette C&M, dem Textilproduzenten TextilePro sowie als Arbeiter*innen in Dhaka und der NGO FairKleidung finden sie sich in unterschiedliche Akteure des Textilhandels ein und korrespondieren miteinander in kurzen Briefen. Jede Akteursgruppe kann an genau 2 Adressaten schreiben. Wenn sie einen weiteren erreichen möchten, müssen sie einen davon um Weiterleitung bitten. Die Briefe werden mit bunten Emoji-Stickern untermauert und über die Poststelle – die Spielleitung – zugestellt. Zum Beginn werden Impulse gesetzt, die weitere Kommunikation ist jedoch völlig offen und frei. Der Phantasie der Spielenden sind hier keine Grenzen gesetzt. Unterbrochen durch eine, die Situation verschärfende Intervention, endet die Briefschreibephase dann mit einem Call for Interest. Eine Politikerin oder ein Politiker des Deutschen Bundestages kündigt sich mit einem Gesetzesentwurf an. Um sich eine Meinung zu bilden, ist das Parlament sehr an den Interessen und Positionen aller im Textilhandel involvierten Akteure interessiert. Im Abschlusspodium berichten die Vertreter*innen der Gruppen über ihre Korrespondenzen und Haltungen und kommen ins Gespräch.

Auf den KonfiCamps in Wittenberg kamen die Jugendlichen in den Verhandlungen auf die unterschiedlichsten Ideen. Nach einem meist etwas stockenden Anfang, wurden die Briefe nach einigen Minuten immer kürzer und es entwickelte sich schnell eine gewisse Dynamik. Die Ergebnisse sahen dann in jeder Gruppe etwas anders aus. In einigen wurden faire Labels gegründet oder sogar die Branche hin zu erneuerbaren Ressourcen gewechselt. In anderen folgte ein härteres politisches Vorgehen, von Boykottaufrufen und Demonstrationen bis hin zu Streiks und kollektiven Kündigungen. Die auf den ersten Blick friedlich und ruhig anmutenden Briefkorrespondenzen offenbarten im Podium hemmungslose Verhandlungen von Interessen und Standpunkten. Es wurde gestritten und diskutiert, Verträge wurden gekündigt und neue Bündnisse geschlossen. Kurz um: spielend wurde die Welt ein bisschen verändert.

Aktiv werden

Wieder aus den Rollen gefallen, hatten die Konfis in Wittenberg im Anschluss an das Planspiel dann die Möglichkeit, selbst sofort aktiv zu werden. Sie konnten zwischen drei Optionen entscheiden und (1.) einen echten Brief an echte Politikerinnen und Politiker, die ihre Interessen vertreten, schreiben. Oder sie (2.) organisierten eine Filmvorführung der Dokumentation „The Price of Free“ in ihrer Gemeinde oder Schule im Rahmen der globalen Kampagne 100 Million gegen Kinderarbeit. Letztlich entschieden sich auch einige für die kreative Option einer (3.) Social Media Story, um die Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam zu machen. Diese zeichneten sie entweder mit ihren Smartphones auf und teilten sie oder fotografierten sie analog und gestalteten ein Poster.

FairKleidung selber spielen

Wer nun Lust hat, das Planspiel mit der eigenen Konfi- oder Jugendgruppe, in der Gemeinde oder in der Schule zu spielen, findet in diesem Beitrag das Dokument zum Download mit allen weiteren Erklärungen und Hinweisen. Das Word-Dokument kann auf den individuellen Kontext hin angepasst werden. Das PDF ist druckreif, alle Materialien sind schon in ihrer erforderlichen Anzahl enthalten, und kann gleich so gespielt werden. Um die Briefkorrespondenz noch ein bisschen aufzuwerten, empfiehlt es sich, Postboxen aus Kartons zu basteln, die Briefe vor der Zustellung abzustempeln und Emoji-Sticker für eine emptionale Ausdrucksstärke zu verwenden. Alles Weitere liegt in den Händen der Gestalter*innen vor Ort. Ich freue mich immer sehr, über neue Ergebnisse und Lösungsansätze zu erfahren.

Weitere Informationen

Zum Schluss gibt es hier noch ein paar Links zu vertiefenden Informationen und Anknüpfungspunkte für die Vor- oder Nachbereitung des Themas:

Weitere Beiträge zu Globalem Lernen in der Konfi-Arbeit und Anregungen zur Nutzung digitaler Medien gibt es im Blog der Projektstelle "Konfis und die Eine Welt".

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