Am 14. Oktober war die Vernissage der Ausstellung Sieben Sichten – Kunst aus der Region Wittenberg.
In der Folge stellen sich die Künstlerinnen und Künstler hier mit ihren Werken vor.
Der vierte: Gregor L. Hildebrandt

Unbefangen
Zwischen Wirklichkeit und Vorstellung
Was mich an der Malerei besonders fasziniert, ist die Möglichkeit, etwas Eigenes zu erschaffen. Aus einer zunächst vagen Vorstellung kann eine Bildwelt entstehen, die es vorher nicht gab. Dieser schöpferische Prozess, das Experimentieren, Entdecken und Weiterentwickeln einer Idee, ist für mich einer der schönsten Aspekte der Kunst.
Am Anfang meiner Arbeiten steht häufig eine visuelle Vorstellung, ein Motiv oder eine ungewöhnliche Kombination von Bildelementen, die meine Neugier weckt. Welche Bedeutung sich daraus entwickelt, ist zu diesem Zeitpunkt nicht immer absehbar. Oft entstehen Zusammenhänge und Aussagen erst während des Malens. Dabei lasse ich bewusst Raum für Veränderungen, neue Gedanken und unerwartete Entwicklungen.

Ich bin Autodidakt und habe mir meine malerischen Fähigkeiten über die Jahre selbst erarbeitet. Meine Arbeitsweise hat sich dabei immer wieder verändert. Ich experimentiere gern mit unterschiedlichen Techniken, Ausdrucksformen und der Verbindung von realistischen, abstrakten und symbolischen Elementen. Mal steht die gegenständliche Darstellung im Vordergrund, mal das Zusammenspiel von Farben, Formen und Strukturen. Die Freiheit, unterschiedliche Ausdrucksformen miteinander zu verbinden und meine Bildsprache stetig weiterzuentwickeln, ist für mich ein wesentlicher Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit.
Inhaltlich beschäftigen mich häufig der Mensch, gesellschaftliche Erwartungen, Rollenbilder und die Widersprüche unseres Zusammenlebens. Besonders reizvoll finde ich es, Vertrautes in ungewohnte Zusammenhänge zu setzen und dadurch neue Sichtweisen zu ermöglichen. In einigen meiner jüngeren Arbeiten begegnen uns beispielsweise Kinder in der Welt der Erwachsenen. Ihre Unbefangenheit steht dabei im Kontrast zu gesellschaftlichen Rollen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung spielt für mich auch die handwerkliche und ästhetische Qualität eine wesentliche Rolle. Ich möchte meine Fähigkeiten stetig weiterentwickeln und Bilder schaffen, die sowohl durch ihre Gestaltung als auch durch ihre Aussage wirken.
Dabei ist es nicht mein Anliegen, den Betrachtern eine bestimmte Interpretation vorzugeben. Vielmehr wünsche ich mir, dass meine Arbeiten Neugier wecken, vielleicht auch irritieren, zum Nachdenken anregen und Raum für eigene Gedanken und Empfindungen lassen.
Wenn ein Bild jemanden zunächst durch seine Erscheinung fesselt und anschließend dazu bringt, genauer hinzusehen und sich Fragen zu stellen, dann hat es für mich bereits viel erreicht.
Die beiden letzten Bilder sind nicht in der Ausstellung zu sehen.


