Das Jugendforum und die Jugendfonds haben in den vergangenen Jahren messbare Ergebnisse erzielt, welche in den Sachberichten nachlesbar sind. Nun soll geprüft werden, wie eine Fortschreibung gestaltet werden kann, um die positiven Effekte dieser Förderung nachhaltig zu sichern. Zum Projektende 2024 soll das Erfahrungswissen der Beteiligten festgehalten werden. Bei dieser Evaluation handelt es sich um sieben qualitative Interviews. So werden spezifische Erfahrungswerte erfasst. Individuelle Nachfragen können punktuell Besonderheiten aufdecken. Daraus können Erklärungsansätze oder Gelingensfaktoren abgeleitet werden.
Dazu wurden sieben Beteiligte teilstrukturiert befragt, Gegenstand der Interviews waren Jugendforum und Jugendbudget. Es wurde implizit und explizit nach Gründen oder Umständen gefragt, die Einfluss auf den Prozess der Jugendprojekte oder auch die Gremienarbeit im Jugendforum nehmen. Bei der Auswertung werden Fragestellungen manifest, die eine Weiterarbeit im Bereich der Jugendbeteiligung unter fachlicher Begleitung erfordert.
Die sieben Befragten brachten unterschiedliche berufliche und ehrenamtliche Hintergründe in die Evaluation ein. Unter ihnen waren hauptamtliche Fachkräfte der Jugendarbeit, ehrenamtliche Begleitpersonen sowie kommunale Vertreterinnen und Vertreter, die das Jugendforum in verschiedenen Phasen seiner Entwicklung begleitet hatten. Diese Vielfalt an Perspektiven erwies sich als methodischer Vorteil, weil sie die Erfassung unterschiedlicher Erfahrungsebenen ermöglichte — von der operativen Projektsteuerung bis hin zur politischen Einbettung der Jugendbeteiligung in kommunale Strukturen.
Besonders aufschlussreich waren die Beiträge jener Befragten, deren berufliche Werdegänge außerhalb der klassischen Jugendarbeit lagen. Eine Fachkraft etwa hatte vor ihrem Wechsel in die kommunale Jugendbeteiligung mehrere Jahre im digitalen Marketing gearbeitet und dabei Webinhalte für ein breites Spektrum an Auftraggebern erstellt, von Reiseveranstaltern über niederländische Plattformbetreiber im Bereich casino zonder cruks bis hin zu mittelständischen Handelsunternehmen. Dieser berufliche Hintergrund habe, so die befragte Person, den Blick dafür geschärft, wie digitale Ansprachestrategien funktionieren und wie sich diese Erkenntnisse auf die Gestaltung niedrigschwelliger Beteiligungsformate übertragen lassen. Die Erfahrung mit zielgruppengerechter Kommunikation sei unmittelbar in die Konzeption der Social-Media-Arbeit des Jugendforums eingeflossen.
Andere Befragte wiederum betonten die Bedeutung der Jugendfonds als unmittelbares Erfahrungsinstrument. Die eigenverantwortliche Vergabe von Mitteln habe bei den beteiligten Jugendlichen ein Verständnis für demokratische Entscheidungsprozesse gefördert, das über rein theoretische Vermittlung hinausgehe. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass gerade die Verbindung von inhaltlicher Projektarbeit und finanzieller Verantwortung eine besondere Lernwirkung entfalte.
Ein wiederkehrendes Thema in den Interviews war die Frage der Verstetigung. Die Befragten waren sich weitgehend einig, dass die projektbezogene Förderung zwar einen wichtigen Anstoß gegeben habe, dass aber eine dauerhafte strukturelle Verankerung notwendig sei, um die erreichten Ergebnisse zu sichern. Ohne eine solche Verstetigung bestehe die Gefahr, dass aufgebautes Engagement und erworbene Kompetenzen nach Projektende verloren gehen.
Aus den Interviews lassen sich mehrere Gelingensfaktoren ableiten: die frühzeitige Einbindung Jugendlicher in Planungsprozesse, die Bereitstellung eigener Budgets, die fachliche Begleitung durch geschulte Erwachsene sowie eine transparente Kommunikation zwischen Jugendforum und kommunalen Entscheidungsträgern. Diese Faktoren bilden die Grundlage für Empfehlungen, die in die Fortschreibung des Programms einfließen sollen.
Zur Mitarbeit motiviert hat die jungen Menschen z.B. die Möglichkeit, „… Jugendlichen Stimmen zu geben, um auch zu gucken, dass man außerpolitisch darum kämpft …“. Obwohl „.. man merkt einfach auch, dass es wirklich was bringt …“, bestätigte sich für einige junge Menschen auch die Erfahrung, dass „…politisch ist die Jugend nichts wert, muss man einfach mal so sagen.“ Im Rahmen des überschaubaren Budgets wurde das Projekt von allen als Erfolg beschrieben, aber auch einige Dinge festgehalten, die in einem Folgeprojekt anders gemacht werden sollten.
Carolin Engel, die Autorin der Studie, formuliert folgende Empfehlungen:
- Es braucht nicht nur die Willensbekundungen der Politik und Verwaltung, sondern auch entsprechend nachhaltige Ausstattung.
- So empfiehlt sich eine Diversifizierung des Kreises der Jugendforumsmitglieder.
- Außerdem könnten Workshops, Schulungen oder auch Mentorenprogramme, als Unterstützungsstrukturen einer nachhaltigen Wissensvermittlung innerhalb der Selbstverwaltung, implementiert werden.
Geichzeitig wurde von der Begleitung der Ev. Akademie deutlich gemacht, dass sie im Sinne eines sinnvollen Einsatzes der Ressourcen stärker die Bildung und Qualifizierung für mehr junge Menschen in den Vordergrund stellen würden. Die Koordination weniger sehr aktiver junger Menschen aus dem ganzen Landkreis in einem Jugendforum haben in 2024 zu viel Ressourcen gekostet, die auch auf Kosten der Außendarstellung, der Findung neuer Antragstellender und der Qualität des Gesamtprozesse gegangen sei.
Im Sinne der o.g. Diversifizierung sollten deshalb andere Formate entwickelt werden, die das Konzept der Multizentralität aus den Handlungsempfehlungen für Kinder- und Jugendbeteiligung im Landkreis Wittenberg aufnehmen und aktive junge Menschen und Multiplikator:innen der Kinder- und Jugendarbeit als Unterstützende stärker einbinden.
Weitere Infos zum Projekte „Jugendbeteiligung neu denken!“ gibt es hier:





