Diskurs

Herz-Mut

Kanzelrede von Dr. Reiner Haseloff vom 28. August 2026

Am 23. August 2026 hält Dr. Reiner Haseloff die Kanzelrede in der Wittenberger Stadtkirche. Seiner Auffassung einer klaren Trennung von politischer Rede und kirchlichem Auftrag folgend, hält er sehr bewusst keine Wahlkampfrede, sondern nimmt ganz die Rolle des Predigers an und hat vielleicht gerade deshalb umso mehr ermutigendes zu sagen. Zunächst ging er auf das Motto der diesjährigen Reihe und dem damit verbundene Wortspiel ein: Mutwillig oder Mut-will-ich:

„Denn Mut kann man nicht haben wie einen Regenschirm, den man aus dem Schrank nimmt, sobald das Wetter schlechter wird. Mut setzt etwas voraus, das noch keinen Mut hat. Und dieses Etwas nennen wir Furcht oder Angst.
„Mut ist Angst, die gebetet hat“, lautet ein Corrie ten Boom zugeschriebener Satz. Und dieser Satz trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Denn wo keine Angst ist, braucht es auch keinen Mut. Wer sich vor nichts fürchtet, kann leicht tollkühn, überheblich oder mutwillig werden. Mut dagegen entsteht dort, wo ein Mensch seine Angst kennt, sie nicht leugnet und dennoch nicht vor ihr niederkniet.“

Es war eine Mutmach-Rede, die dann doch nicht umhinkam, auch ein paar Gegenwartsbezüge zur politischen Situation in Sachsen-Anhalt anzudeuten, aber nur um diese sogleich an den Predigttext des Sonntags zurückzubinden:

Die gemäßigten Kräfte der parlamentarischen Politik sind in den letzten Jahren wohl tatsächlich ins Hintertreffen geraten. An den Rändern wagen sich die Mutwilligen übermütig und unangenehmer ins Licht des Tages, als es manchem lieb und recht sein kann. Das ist der Lauf der Welt. Wir aber müssen deshalb nicht mutlos werden. Wenn wir uns auf den Grund unseres Mutes besinnen, begegnet uns im heutigen Predigttext ein Satz, den wir in unser tägliches Handlungsvermögen aufnehmen können: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Der sehr gut besuchte Gottesdienst wurde liturgisch gestaltet von Pfarrer Mathias Keilholz und Diakon Wolfgang Nebel als Vertreter der Cranach Stiftung. EKD-Pfarrerin Anne Brisgen von der Schlosskirche und Pfarrer Christoph Maier von der Ev. Akademie moderierten das Nachgespräch im Katharinensaal. 

Die ganze Rede gibt es zum Download hier:


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Arbeitsbereich Theologie & Politik
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Christoph Maier

Akademiedirektor und Studienleiter für Theologie und Politik

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