Die biblischen Texte des heutigen Sonntags legen es nahe, einmal näher auf die Opfertheologie zu schauen. Dass es Opfer braucht, scheint so etwas wie eine Grundkonstante menschlichen Lebens zu sein. Dabei ist Opfer nicht gleich Opfer. Manche machen sich selbst zum Opfer. Manche sagen den Opfern, du bist selbst schuld. Das nennt man dann Täter-Opfer-Umkehr oder Victim Blaming. […]
Es gib in Sachsen-Anhalt eine Partei, die die Selbstviktimisierung, den Opferstatus, professionalisiert hat und politisch bewirtschaftet. Sie säht Ohnmachtsfantasie und Wut, um Revanche und Rache üben zu können, an den Altparteien, den Eliten, neuerdings auch an den Kirchen, Bildungseinrichtungen und – das ist am schlimmste – an so vielen Menschen, die in den letzten Jahrzenten endlich aus der Ohnmachtserfahrung herausgefunden hatten, die nicht länger die Opfer sein wollten. Ich denke an queere Menschen, an geflüchtete Menschen, aber auch an Frauen und noch viel mehr Gruppen, die keine laute Stimme haben Gott will nicht noch mehr Opfer. […]
Wenn wir sagen, dass Gott seinen Sohn geopfert hat, dann ist das ein Umkehr der Täter-Opfer-Umkehr. Keine Selbstviktimisierung, um daraus Macht zu schöpfen, sondern eine Selbstentmachtung, um ein für alle Mal auf der Seite der Opfer zu stehen, und ihnen zu einer Auferstehung zum Leben zu verhelfen.


