Gemessen in Zeit, in der sich Menschen in Medien aufhalten, hätten Angebote von Alphabet (Google, Youtube) und Meta (Instagram, Facebook, Whatsapp) einen Marktanteil von weit über 90 Prozent. Außerdem würden die großen Plattformen ihre marktdominierende Stellung nutzen, um Nutzende von Internetdienstleistungen nach Möglichkeit auf ihren Angeboten zu halten oder sie dorthin zu lotsen. Das erläutert der Medienwissenschaftler Dr. Martin Andree auf seiner Seite bigtechmussweg.de und hoffentlich auch in unserer gleichnamigen Veranstaltung am 26.6.26. Er kommt zu dem Fazit, dass die sogenannten Big Tech, die großen Digitalunternehmen, unsere Demokratie und unser Wirtschaftssystem unterliefen und damit auch zur realen Bedrohung würden.
Auf Smartphones kommt hinzu, dass die beiden Marktführer Alphabet (Android) und Apple (iOS) ihre Stores, aus denen die Anwendungen bezogen werden, bereits weitgehend geschlossen haben oder im Falle von Android eine weitgehende Zugangssperre für alternative Apps planen. Damit entscheiden in letzter Konsequenz die Anbieter eines Betriebssystems, welche Anwendungen die Besitzer:innen der Smartphones nutzen können. Ab wann das geplant ist und weitere Argumente, warum das problematisch ist, können auf der Seite keepandroidopen.org/de/ nachgelesen werden.
Apps in den Stores werden zwar nach bestimmten Sicherheitskriterien geprüft, aber ein echter Schutz der Daten und der Privatsphäre scheint keine große Rolle zu bieten. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Auswertung von Daten von Nutzenden ein wichtiger Teil oder sogar der wesentlichste Teil des Geschäftsmodell der meisten Firmen ist. Für alle, die meinen, sie hätten nichts zu verstecken, sei darauf hingewiesen, dass es dabei meist gar nicht auf die Inhalte ankommt. Oft reicht es, wenn die Metadaten (Bewegungsdaten, Kommunikationszeiten- und gewohnheiten, Kontakte) ausgewertet werden, um persönliche Profille zu erstellen. Außerdem ist es hinlänglich nachgewiesen, dass die Möglichkeit einer Überwachung sehr oft zu Selbtszensur bzw. Selbsteinschränkung der Verhaltensoptionen führt. Und dass man heute nichts zu befürchten hat, heißt noch lange nicht, dass das auch in Zukunft so sei. „Ein bunter Strauß von Erwiderungen auf einen gefährlichen Mythos“ hat Digitalcourage e.V. hier veröffentlicht. Die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE kaufte übrigens bereits im letzten Jahr Tools, um die Smartphones von Migrant:innen zu überwachen und darüber Menschen zu identifizieren, die sie abschieben können, wie u.a. Netzpolitik und Der Standard berichten.
Dieser „Datenkapitalismus“ wird also dadurch auch zum Problem für die Demokratie bzw. eine freiheitliche Grundordnung, während die globalen Monopole die Marktwirtschaft gefährden. In einem Workshop mit Teamenden der Konfi-Camps in Wittenberg hat Tobias Thiel in dieses Thema eingeführt, datensparsame und konzern-unfreundliche Alternativen und Einstellungen vorgestellt und erste App-Wechsel mit den Teilnehmenden vorgenommen. Die vorgeschlagenen Wechsel-Maßnahmen und Vorschläge für Apps können in dieser Präsentation nachgelesen werden:
Die Ev. Akademie Sachsen-Anhalt wird auch weiter an diesem Thema arbeiten. Im Projekt „Offene Software – offene Gesellschaft“ finden Workshops für Kinder und Jugendliche und Multiplikator:innen statt und werden Bildungsmaterialien- und Workshopkonzepte veröffentlicht. Die Workshops können auch – insbesondere für Angebote der Jugendbildung – sehr gern angefragt werden.

Im Rahmen dieses Projektes finden auch Veranstaltungen zum Digital Independence Day statt, einer Initiative verschiedener Netzaktivist:innen und Künstler:innen, besonders beworben von Marc-Uwe Kling und dem Känguru. Jeden ersten Sonntag im Monat wird dazu eingeladen, eine App zu wechseln. Dazu gibt es auf der Webseite schön gestaltete Wechselrezepte:

Und natürlich lädt die Ev. Akademie u.a. zu diesen Veranstaltungen ein, an denen sie mitwirkt:



Und hier nochmal alle Links, für alle, die bis hierher gelesen haben und nicht erst wieder hochscrollen wollen – in der Reihenfolge der Erwähnung im Text:
Titelbild: fancycrave1 auf Pixabay
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