Die Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt hat am 11./12. April 2026 auf ihrem Landesparteitag ihr Programm für die Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt verabschiedet und darin der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt ein eigenes Kapitel gewidmet. In Kapitel III, Punkt 19 des Wahlprogramms heißt es unter der Überschrift „Kein Geld mehr für die Evangelischen Akademie!“ (Der Rechtschreibfehler ist Teil des Zitats):
Die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V. wird jährlich in Höhe von 70.000 EURO durch das Land Sachsen-Anhalt gefördert. Dies wäre vielleicht gerechtfertigt, wenn sich diese Akademie der Bildung in kirchlichen Angelegenheiten von theologischen Themen bis hin zu Kirchenmusik widmen würde. Solche Themen machen jedoch den geringsten Teil der dort stattfindenden „Bildungsarbeit“ aus. Das meiste ist politische Agitation im Sinne der Altparteien: Klimadoktrin, Genderismus und Regenbogenkult stehen hoch im Kurs, eine „sozial-ökologische Transformation“ wird beschworen, der ungezügelten Masseneinwanderung wird das Wort geredet, und jeder, der grundsätzlich anderer Meinung ist, wird als Gefahr für die Demokratie ausgegeben. Dergleichen darf nicht mit Steuergeld gefördert werden. Eine AfD-Landesregierung wird diese Zahlungen unverzüglich einstellen.
Jede Form von Bildungsarbeit ist der Versuch, Menschen zu bestimmten Haltungen und Handlungen zu motivieren. Während sich die Bildungsarbeit der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt jedoch dadurch auszeichnet, dass sie mit ihren Veranstaltungen Räume schafft, in denen qualifizierte Fachleute – parteiunabhängig – ihr Wissen darlegen und gegenüber anderen Fachleuten sowie beruflich und privat Interessierten zur Diskussion stellen, betreibt die AfD politische Agitation im schlechtest möglichen Stil. In unverkennbar indoktrinierender Weise bezeichnet sie gut belegte und vielfach gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel, seine Ursachen und Folgen als „Doktrin“ und versucht auf diese Weise den Eindruck zu erwecken, als handele es sich hierbei um willkürliche, nicht auf Tatsachen beruhenden Setzungen. Sie diskreditiert naturwissenschaftliche Erkenntnisse, ohne auch nur ansatzweise in der Lage zu sein, die Erkenntnisse der Klimawissenschaften auf naturwissenschaftlicher Ebene ernsthaft infrage zu stellen oder gar zu widerlegen.
Die AfD wirft der Akademie pauschal „Genderismus“ vor, hat sich aber weder darüber informiert, welche Diskussionsprozesse zur Frage einer gendergerechten, möglichst diskriminierungsfreien Sprache in der Akademie abgelaufen sind, noch den sehr differenzierten Umgang mit dem Thema an der Akademie zur Kenntnis genommen. Und wer die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt und ihre Veranstaltungen je einmal besucht oder ihre Publikationen je einmal gelesen hat, wird von einem „Regenbogenkult“ nichts haben wahrnehmen können – da es ihn schlicht nicht gibt. An solchen Bezeichnungen wird der Wesenskern des politischen Selbstverständnisses der AfD überdeutlich: Es geht nicht um die eigene Profilierung durch überzeugende Argumente oder Problemlösungsvorschläge, sondern um das intrigante Erschleichen von Macht durch die Diskreditierung etablierter – weil bewährter! – Institutionen und Organisationen mit Hilfe von Falschdarstellungen. Ein weiteres Beispiel: Nie haben sich die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt oder einzelne ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine „ungezügelte Masseneinwanderung“ ausgesprochen. Das ist frei erfunden.
Unwahr ist auch, dass seitens der Evangelischen Akademie „jeder, der grundsätzlich anderer Meinung ist,“ als „Gefahr für die Demokratie“ bezeichnet wird. Richtig ist vielmehr, dass die Evangelische Akademie politische Bestrebungen für demokratiegefährdend hält, deren Ziel es ist, mit der unablässigen Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten ein Klima des Misstrauens und der allgemeinen Verunsicherung zu verbreiten, in dem nicht etwa der Lüge geglaubt, sondern gar nichts mehr geglaubt wird, weil es nur in einem solchen Klima der Orientierungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit möglich ist, ohne jeden Nachweis von Qualifikation und Kompetenz die Macht an sich zu reißen. Nur dort, wo es keine Orientierung mehr an Regeln sowie mess- und überprüfbaren Qualitätsstandards gibt, ist es möglich, sich selbst zum Maß aller Dinge zu krönen und Menschen ein X für ein U vorzumachen.
Nur an einer einzigen Stelle kommt das Wahlprogramm der AfD der tatsächlichen Arbeit der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt wahrheitsgemäß nahe: Ja, die Akademie bemüht sich darum, einen Beitrag zu der dringend erforderlichen sozial-ökologischen Transformation zu leisten. Aber sie tanzt darum nicht wie um ein goldenes Kalb, sondern lädt dazu ein, sich mit den komplexen und komplizierten Herausforderungen auseinanderzusetzen, die mit einer solchen Veränderung des lokalen bis globalen Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens verbunden sind. Sie „beschwört“ damit weder einen Kult noch eine Doktrin, sondern allenfalls den Geist der Vernunft und der Verantwortung für Gottes Schöpfung.
Eine solch verantwortungsvolle und herausfordernde Arbeit verdient es, auch künftig – egal von welcher Regierung – gefördert zu werden, weil sie allen Menschen dient.








