Diskurs

Faltbroschüre zur Stätte der Mahnung

Die judenfeindliche Schmähplastik an der Stadtkirche in Wittenberg. Geschichte – Wirkung – Einordnung.

Im Rahmen des Projekts „sus et iudaei – Schmähplastiken in Sachsen-Anhalt“ hat die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt eine neue Faltbroschüre veröffentlicht. In fünf kurzen Abschnitten versammelt sie kontextualisierende Informationen zur sog. „Judensau“-Darstellung an der Wittenberger Stadtkirche. Die Faltbroschüre klärt über die judenfeindliche Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Reliefs auf, thematisiert dessen Verbindung zu Martin Luthers „Judenschriften“ und umreißt die Relevanz des Bildmotivs für die nationalsozialistische Propaganda. Sie vermittelt außerdem Hintergrundwissen zur Stätte der Mahnung an der Wittenberger Stadtkirche.

Die Faltbroschüre liegt an verschiedenen Orten in Lutherstadt Wittenberg aus und kann kostenlos mitgenommen werden. Sie ist darüber hinaus auch online verfügbar.

* in einer ersten Fassung der Faltbroschüre haben wir die auf dem Titelblatt von Luthers „Von den Juden und ihren Lügen“ dargestellte Person als Judenfigur mit Teufelshörnern beschrieben. In der Forschung gibt es darüber unterschiedliche Deutungen. Der bärtige Mann auf Cranachs Holzschnitt ist wahlweise als gehörnter Jude, gehörnter Moses oder auch als Narrenfigur beschrieben worden. Die Darstellung ist unterdessen älter als die Lutherschrift selbst und zierte bereits den Titel einer 1536 erschienenen Abhandlung von Ambrosius Moibanus. Eine judenfeindliche Lesart des Motivs scheint somit zumindest zum Zeitpunkt der Fertigung des Holzschnitts nicht notwendigerweise intendiert gewesen zu sein. Wir haben uns deshalb dazu entschieden, die Passage in der 2. Auflage der Faltbroschüre nicht mehr abzudrucken.

Vincent Kleinbub

Mitarbeiter im Projekt „sus et iudaei – Schmähplastiken in Sachsen-Anhalt“
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