Diskurs

Eindrücke vom KonfiCamp

Auf einem großen Platz am nördlichen Rand Wittenbergs mit Sanitäranlagen, Schlaf- und Dorfzelten, Jurten, dem Großzelt und vielem mehr fanden auch in diesem Jahr die KonfiCamps statt. Als FSJlerin in der Ev. Akademie in Wittenberg hatte ich die Möglichkeit Miriam Meir, Studienleiterin der Projektstelle „Konfis und die Eine Welt“ in der Ev. Akademie, auf die Camps zu begleiten, den Alltag dort ein wenig mitzuerleben und neue Eindrücke zu sammeln, die ich hier gerne teilen möchte.

Mit einem Hygienekonzept konnten die KonfiCamps in diesem Jahr trotz der Pandemie stattfinden und es konnte gemeinsam gegessen, gelernt und der Glaube gelebt werden. Zudem waren dezentrale Camps via Zoom zugeschaltet, die auch in das Programm einbezogen wurden.

WarmHERZigkeit

Unter dem Motto WarmHERZigkeit, angelehnt an die Jahreslosung „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36), lernten Konfis aus ganz Deutschland über ihre eigene Mission und ihren Glauben. Barmherzigkeit – ein unübliches Wort, das wir nicht all zu oft im alltäglichen Sprachgebrauch nutzen und dessen Bedeutung für viele und sicherlich auch für die meisten Konfis zunächst nicht klar war. Es bedeutet, sich und sein Herz für andere zu öffnen, das Leid und Empfinden des Gegenübers anzuerkennen und nachzuempfinden. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD macht in seiner Auslegung der Jahreslosung deutlich, wie wichtig Barmherzigkeit in Zeiten der Corona-Pandemie und somit auch für das Jahr 2021 ist. Warmherzigkeit scheint hingegen als Wort viel greifbarer und bildlicher, hat aber eine ähnliche Bedeutung, über die die Konfis in einem bunten Programm während ihrer Zeit im Camp lernen konnten.

Vielfalt ist Programm

In dem Programm, bestehend aus verschiedenen Workshops zu diversen Inhalten, dem Markt der Möglichkeiten, Morgen- und Abendshows, Andachten und den regelmäßigen Mahlzeiten, gab es, neben lehrreichen Einheiten, für die Konfis auch viel Raum, um Neues zu lernen, sich auszuprobieren und Spaß zu haben. Mit der Freiheit zwischen den verschiedenen Angeboten zu wählen, hatten sie stets die Möglichkeit, ihren Interessen nachzugehen.

Besonders in Gedanken geblieben ist mir der Workshop zum Thema LGBTQIA+, den ich miterleben durfte. Hier wurde sich in einer kleinen Runde aus Konfis und mit zwei Teamer:innen über Erfahrungen, Begriffe und Aspekte von Genderthemen und Vielfalt ausgetauscht. Das Vertrauen der Konfis und ihr Mut, sich der Gruppe zu öffnen und persönliche Erfahrungen und Gefühle zu teilen, hat mich sehr beeindruckt. Zusätzlich gab es auf dem Camp ein Seelsorgetelefon und ein kleines Zelt, dass von den Konfis jederzeit als Rückzugsort genutzt werden konnte und in dem Infomaterial zum Thema Queersein zu finden war.

Jeder Tag startete und endete mit einer Bühnenshow mit Moderation und Band, die von den Teamer:innen im Camp auf die Beine gestellt worden ist. Ein wichtiger Programmpunkt war zudem das Quiz, bei dem die Konfis verschiedene Fragen und Aufgaben lösen mussten. Am finalen Abend konnten die Konfis die letzten Punkte vor der Siegerehrung sammeln. Als es dann soweit war, war die Aufregung groß und die Freude noch viel größer als das Siegerteam den Preis, eine Bananentrophäe und eine Box mit Überraschungsinhalt, in den Händen hielt.

Global Day

Der Samstag war ein etwas anderer, besonderer Tag auf dem Camp – der Global Day. Das Gefühl von Gemeinschaft, das schon die Tage zuvor auf dem Camp erlebbar war, fand für mich am Samstag den Höhepunkt. An diesem Tag lag der Fokus auf der eigenen barmherzigen Mission der Konfis, die sie im Laufe des Tages in Workshops zu Themen wie gewaltfreier Kommunikation oder Klimagerechtigkeit für sich herausfinden konnten. Zudem hatten auch die globale Gemeinschaft und Gerechtigkeit am Global Day inhaltlich einen Platz. Süd-Nord-Freiwillige und ehemalige Nord-Süd-Freiwillige des Leipziger Missionswerks haben mit Workshops u.a. zu tansanischer Musik, indischen Tanz und Freiwilligendiensten am Global Day mitgewirkt.

Nach den Workshops gab es noch eine Vorführung aus dem Workshop zu indischem Tanz. (Foto: Enya Purnhagen)

Ich habe Miriam Meir bei einem Planspiel zum Thema Flucht und Migration unterstützt. Hierbei haben die Konfis zunächst eine Identität einer verfolgten Person zugeordnet bekommen. Mithilfe von Länderinformationen und ihrem Fluchttagebuch konnten sie sich über die Lebenssituation und Fluchtgründe ihrer Person informieren. Im Spielverlauf mussten die Konfis nun versuchen, ein Zufluchtsland zu finden, in dem sie nicht verfolgt werden und sicher leben können. An verschiedenen Stationen wie dem Ausreiseamt oder der Geld- und Arbeitsstation konnten sie ihr Glück versuchen.

An der Geld- und Arbeitsstation müssen die Konfis u.a. Sand schaufeln und Bohnen sortieren, um sich etwas Geld für die Flucht verdienen zu können. (Foto: Enya Purnhagen)

Allerdings machte sich im Verlauf des Spiels nach nicht allzu langer Zeit Frustration breit. Denn eine Flucht und das Finden eines sicheren Zufluchtslandes ist, wie auch in der Realität, im Planspiel Flucht beschwerlich und gefährlich. Zu wenig Geld um an Informationen über Fluchtmöglichkeiten zu kommen oder um die Grenze mithilfe von Schmugglern zu überqueren, waren beispielsweise Probleme, mit denen die Konfis im Spiel konfrontiert wurden. Auch interessant war, dass von den Konfis, beinahe unabhängig von ihren jeweiligen Rollen, zunächst Europa als ein sicheres Ziel ausgemacht wurde. Doch der Traum von einem sicheren Leben in Europa trübte sich schnell, denn die Flucht über den Seeweg ist teuer. Und wer sie sich leisten konnte, sah sich mit der aktuellen Situation an den europäischen Außengrenzen konfrontiert und musste sehr viel Glück haben, nicht zu ertrinken oder zurückgeschickt zu werden.

Um dem Frust ein wenig entgegen zu wirken und um das Wissen zu Flucht und Migration zu vertiefen, fanden anschließend an das Planspiel Flucht am Nachmittag Workshops statt, in denen die Konfis selbst aktiv werden konnten. So konnten sie durch das Bauen von Papierbooten auf zivile Seenotrettung aufmerksam machen, Masken zu den Hashtags #LeavenoOneBehind und #Mundauftrotzmundschutz gestalten oder im Amnesty International-Workshop Briefe gegen das Vergessen schreiben. Ziel des Spiels und der anschließenden Workshops war es folglich auch, den Blick für andere Menschen in Not zu weiten, die Lage anderer nachzuempfinden und barmherzig zu sein.

Zum Abschluss des Global Day gab es eine Taizé-Andacht auf der Plaza, einem zentralen Platz mit einer Bühne. Im Dunkeln mit Kerzen und Lichterketten ließ es sich zur Ruhe kommen, den Tag reflektieren, in Gemeinschaft singen und den Glauben spüren.

Am Sonntag begaben sich die Konfis wieder auf den Weg nach Hause – vielleicht mit den Erinnerungen an eine schöne Zeit im KonfiCamp. Ich jedenfalls habe die kurze Zeit, die ich dort war, sehr genossen und hätte bestimmt auch als Konfi viel Spaß gehabt. Auch im nächsten Jahr finden die Camps wieder statt und wer weiß, welches Programm und welches Motto dann auf die Konfis wartet.

Weitere Einblicke in die KonfiCamps gibt es in dieser Podcastfolge, in der Miriam Meir im Rahmen ihres Podcasts „Konfis Global“ mit Sabrina Zubke von den KonfiCamps über den Global Day spricht.

Schlagwörter:

Konfis Global

In diesem Blog berichte ich zu Globalem Lernen in der Konfi-Arbeit und gebe Anregungen zur Nutzung digitaler Medien.

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