wortfluss
Veranstaltungsreihe

Wörterfluss – Lesungen

Die Antwort auf die Frage, 
ob es im Universum, 
in der Welt 
oder im Leben 
einen Sinn gibt, 
werden wir nicht im Universum, 
in der Welt 
oder im Leben 
finden, 
sondern immer nur 
in der Sprache.

Durch Wörter bilden wir uns die Welt ein. Durch Geschichten – durch Lyrik und Prosa öffnen sich Blicke in die Welt. Die Welt ist mehr als das, was der Fall ist. Das zeigt sich uns am Rand der Sprache auf dem Fluss der Wörter. Die Evangelische Akademie Wittenberg e.V. lädt in unregelmäßigen Abständen zu Lesungen ein, zu Gesprächen mit den Autor*innen und zu neuen Einblicken.

15.09.2021 Iris Wolff Die Unschärfe der Welt

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Paul F. Martin

Studienleitung Theologie/ Gesellschaft/ Kultur
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Diskurs-Beiträge

Gegenwartslyrik XII

Männer mit Hunden
Männer mit Hundenund den ersten Sonnenbrillendes Jahresbegrüßen den Frühlingmit lautstarkenSchrittenIhre überwinterten Köpferecken sichdemrosa BlütenkitschentgegenDer aber wartetbis dieGoldmarie kommt. Ingeborg GleichaufPhilosophin/ Autorin/ Lyrikerin Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Das Gedicht ist aus dem Band Danebengeschrieben – erschienen im Drey Verlag.
Männer mit Hundenund den ersten Sonnenbrillendes Jahresbegrüßen den Frühlingmit lautstarkenSchrittenIhre überwinterten Köpferecken sichdemrosa BlütenkitschentgegenDer aber wartetbis dieGoldmarie kommt. Ingeborg GleichaufPhilosophin/ Autorin/ Lyrikerin Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Das Gedicht ist aus dem Band Danebengeschrieben – erschienen im Drey Verlag.

Gegenwartslyrik XI

[in diesen tagen sehe ich nach osten]
in diesen tagen sehe ich nach ostenund rufe das lichtdoch das echo kehrt blutbefleckt zurückgiftige reden reisen im winddie worte zersplitternreißen wunden im bodendie nacht trägt wieder uniformsie schüttelt häuserreißt mauern einbeißt sich ins fleisch der bewohnerin diesen tagen sehe ich nach ostenund rufe das lichtPhilipp L’étranger – mit freundlicher Genehmigung des Autors.
in diesen tagen sehe ich nach ostenund rufe das lichtdoch das echo kehrt blutbefleckt zurückgiftige reden reisen im winddie worte zersplitternreißen wunden im bodendie nacht trägt wieder uniformsie schüttelt häuserreißt mauern einbeißt sich ins fleisch der bewohnerin diesen tagen sehe ich nach ostenund rufe das lichtPhilipp L’étranger – mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Gegenwartslyrik X

Dann gibt es nur eins
Wolfgang BorchertDu. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:Sag NEIN! Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt…
Wolfgang BorchertDu. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr machen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins:Sag NEIN! Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für Scharfschützengewehre montieren, dann gibt…

Gegenwartslyrik IX

Ich wandre durch Theresienstadt
Ich wandre durch Theresienstadt,das Herz so schwer wie Blei,bis jäh mein Weg ein Ende hat,dort knapp an der Bastei.Dort bleib ich auf der Brücke stehnund schau ins Tal hinaus.Ich möcht so gerne weitergehn,ich möcht so gern – nach Haus!»Nach Haus!« – du wunderbares Wort,du machst das Herz mir schwer.Man nahm mir mein Zuhause fort.Ich habe keines mehr.Ich wende mich betrübt…
Ich wandre durch Theresienstadt,das Herz so schwer wie Blei,bis jäh mein Weg ein Ende hat,dort knapp an der Bastei.Dort bleib ich auf der Brücke stehnund schau ins Tal hinaus.Ich möcht so gerne weitergehn,ich möcht so gern – nach Haus!»Nach Haus!« – du wunderbares Wort,du machst das Herz mir schwer.Man nahm mir mein Zuhause fort.Ich habe keines mehr.Ich wende mich betrübt…

Gegenwartslyrik VIII

Weil Sommer ist
Weil Sommer ist und ichwie jede gute Tochterdie Felder fremder Herzen pflügeum Hoffnung zu säenwas tut esdass stattdessen Verzweiflung keimtweil ich die dürstende Erdemit Tränen begossdie Ernteleute sind Schnitterder übelsten Sortealso setzt sich Verbitterung abim einst fruchtbaren Landfür das kein Korn gewachsen ist Mai Fabia Rebentisch Das Gedicht steht in dem Band „Aufwärts Fallen“ ISBN 978-3-7557-1494-1 – mit freundlicher Genehmigung…
Weil Sommer ist und ichwie jede gute Tochterdie Felder fremder Herzen pflügeum Hoffnung zu säenwas tut esdass stattdessen Verzweiflung keimtweil ich die dürstende Erdemit Tränen begossdie Ernteleute sind Schnitterder übelsten Sortealso setzt sich Verbitterung abim einst fruchtbaren Landfür das kein Korn gewachsen ist Mai Fabia Rebentisch Das Gedicht steht in dem Band „Aufwärts Fallen“ ISBN 978-3-7557-1494-1 – mit freundlicher Genehmigung…

Gegenwartslyrik V

Der Aufbruch der Graugänse
Ein Schwingen / Laut und Schwingenschlag / gesagtWar nichts / doch nichts blieb sich von nun an gleich:Die Auen zitterten um einen Teich Dort war kein Land / dort war ein andrer Tag. Ich stand in einer Schalung / einem Pochen /Das in die Kniee kroch / sah Flügel ragen /   Und Leiber stiegen auf / ein Tausendklagen /Und alles schrie…
Ein Schwingen / Laut und Schwingenschlag / gesagtWar nichts / doch nichts blieb sich von nun an gleich:Die Auen zitterten um einen Teich Dort war kein Land / dort war ein andrer Tag. Ich stand in einer Schalung / einem Pochen /Das in die Kniee kroch / sah Flügel ragen /   Und Leiber stiegen auf / ein Tausendklagen /Und alles schrie…

Gegenwartslyrik IV

Die Eltern im Herbst
Dann war es Herbst gewordenund da gefiel meinem kleinen Fensterbrettvogeldas Singen nicht mehr.Aber dafür werden immer im Herbstdie Toten so unruhig,und da kommt an manchen Abendenmich mein Vater besuchenund trägt einen blauen, wollenen Schal,von dem meine Mutter sagt,er hätte ihn am Tag meiner Geburtim Eisenbahnabteil verloren.Meine Mutter aberverschenkt in jedem Novemberein Stück von meines Vaters weißen Hemden.Und zur gleichen Zeit,wenn…
Dann war es Herbst gewordenund da gefiel meinem kleinen Fensterbrettvogeldas Singen nicht mehr.Aber dafür werden immer im Herbstdie Toten so unruhig,und da kommt an manchen Abendenmich mein Vater besuchenund trägt einen blauen, wollenen Schal,von dem meine Mutter sagt,er hätte ihn am Tag meiner Geburtim Eisenbahnabteil verloren.Meine Mutter aberverschenkt in jedem Novemberein Stück von meines Vaters weißen Hemden.Und zur gleichen Zeit,wenn…
Die Antwort auf die Frage, ob es im Universum, in der Welt oder im Leben einen Sinn gibt, werden wir nicht im Universum, in der Welt oder im Leben finden, sondern immer nur in der Sprache. Die Unschärfe der Welt – ein Roman von Iris Wolff Ich lade Sie ein zur Lesung mit der Autorin am 15. September um 19:00…
Die Antwort auf die Frage, ob es im Universum, in der Welt oder im Leben einen Sinn gibt, werden wir nicht im Universum, in der Welt oder im Leben finden, sondern immer nur in der Sprache. Die Unschärfe der Welt – ein Roman von Iris Wolff Ich lade Sie ein zur Lesung mit der Autorin am 15. September um 19:00…
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