Diskurs

Wie ist es, ein Mädchen oder eine Frau* in Papua-Neuguinea zu sein?

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Papua-Neuguinea (PNG), ein Land im südwestlichen Pazifik, ist bekannt für seine reiche kulturelle Vielfalt und seine atemberaubende natürliche Schönheit. Hinter dieser Anziehungskraft verbirgt sich jedoch eine komplexe Realität für Frauen* und Mädchen, die in ihrem täglichen Leben mit großen Herausforderungen aber auch Chancen konfrontiert sind. In diesem Artikel werden wir uns mit den Erfahrungen von Frauen* und Mädchen in PNG befassen und die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren beleuchten, die ihr Leben prägen.

Die Ungleichheit der Geschlechter ist in PNG nach wie vor ein weit verbreitetes Problem, welches das Leben von Frauen* und Mädchen in vielerlei Hinsicht beeinträchtigt. Diskriminierung und Marginalisierung in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und gesellschaftlichen wie auch politischen Entscheidungsprozesse behindern ihre Fähigkeit, voll an der Gesellschaft teilzuhaben . Kulturelle Normen und traditionelle Praktiken halten diese Ungleichheiten oft aufrecht und schaffen Hindernisse für ihre Selbstbestimmung und ihren sozialen Aufstieg.

Der Zugang zu hochwertiger Bildung ist für die Entwicklung von Frauen*und Mädchen in PNG von entscheidender Bedeutung. Leider sehen sich viele von ihnen aufgrund von Faktoren wie der begrenzten schulischen Infrastruktur, der großen Entfernung zur Schule und der kulturellen Überzeugung, die der Ausbildung von Jungen Vorrang vor der Ausbildung von Mädchen einräumt, mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, wenn sie ihre Ausbildung fortsetzen wollen. Diese Hürden schränken die Möglichkeiten von Frauen*und Mädchen ein, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen, was letztlich das Potenzial von Frauen* und Mädchen für persönliches und berufliches Wachstum begrenzt.

Gesundheitliche Herausforderungen: Frauen*und Mädchen in PNG sind auch mit zahlreichen gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert, die ihr allgemeines Wohlergehen beeinträchtigen. Die hohe Müttersterblichkeit, der eingeschränkte Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten und die weit verbreitete geschlechtsspezifische Gewalt tragen zur Gefährdung und Beeinträchtigung der Gesundheit von Frauen*und Mädchen bei. Um dieses Problem anzugehen, ist ein umfassender Ansatz erforderlich, der die Verbesserung der Gesundheitsinfrastruktur, die Sensibilisierung und die Befähigung der Frauen*umfasst, fundierte Entscheidungen über ihren eigenen Körper und ihre reproduktive Gesundheit zu treffen.

Zugang zum Arbeitsmarkt und wirtschaftliches Empowerment spielen eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung des Status und der Handlungsfähigkeit von Frauen*und Mädchen in Papua-Neuguinea. Sie sehen sich jedoch mit erheblichen Stolpersteinen beim Zugang zu wirtschaftlichen Möglichkeiten konfrontiert, darunter der begrenzte Zugang zu finanziellen Ressourcen wie Kredite o.ä., geschlechtsspezifische Diskriminierungen am Arbeitsplatz und gesellschaftliche Erwartungen, die sie auf traditionelle Rollen beschränken. Die Förderung der wirtschaftlichen Selbstbestimmung durch Qualifizierungsmaßnahmen, Unternehmerinnenprogramme und unterstützende politische Maßnahmen müssen dazu beitragen, diese Stolpersteine zu überwinden und Frauen*und Mädchen in die Lage zu versetzen, aktiv am bezahlten Arbeitsmarkt teilzunehmen und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen.

Im Folgenden berichten wir über einige persönliche Erfahrungen von Frauen*in Papua-Neuguinea:

Die Geschichte von Kimma – sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

„Als Mädchen in eine Gesellschaft hineingeboren zu werden, die daran gewöhnt ist, Männer nur als Anführer und Entscheidungsträger und Frauen nur als Gebärende zu sehen, ist hart. Als ich aufwuchs, sah ich, wie Mädchen schlecht behandelt wurden und ihre Brüder die beste Behandlung erfuhren. Jungen werden in die Schule geschickt und ihre Schwestern zu Hause gelassen, weil man Jungen für klüger als Mädchen hält. Es heißt, die Mädchen würden das Geld der Eltern verschwenden, weil sie am Ende nur heiraten und mit ihrem Mann weggehen würden. Söhne würden sich im Alter um ihre Eltern kümmern, inklusive der Schwiegertochter selbstverständlich.

Glücklicherweise wurde ich in eine Familie geboren, in der nur Mädchen lebten, und meine Eltern haben uns nie das Gefühl gegeben, weniger wert zu sein als Jungen. Erst als ich die Schule beendet hatte und zu arbeiten begann, machte ich die ersten Erfahrungen mit Ungleichheiten. Ich arbeite mit Männern zusammen, und wann immer sich eine Gelegenheit ergibt, ziehen sie einen männlichen Kollegen mir vor. Manchmal wird mir die Möglichkeit gegeben, an einem Projekt zu arbeiten, das mich interessiert, aber das hat seinen Preis. Ich muss schweigen, während ich sexuell belästigt werde, wenn ich weiter an dem Projekt arbeiten will. Und selbst wenn ich mich zu Wort melde, wird man mir vorwerfen, ich sei das Problem. Man würde mir entweder sagen, dass ich sie verführt haben muss, oder dass ich lüge und mir Dinge ausdenke. Denn manche Männer sind gut darin, in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie so respektabel sind, dass nichts, was man über sie sagt, etwas daran ändern kann, wie andere sie sehen. Aber sie werden dich als die schlechte Person sehen.

Es ist also besser, den Mund zu halten, als Menschen, die uns belästigen, bloßzustellen, weil wir uns dann nur noch mehr verletzen. Es gibt viele Mädchen, die mit einem Trauma leben, nur weil es ihnen peinlich ist, wenn sie davon erzählen, um Hilfe zu bekommen. Und sie verlieren dadurch ihr Gesicht in der Gemeinschaft. Obwohl sich die Dinge im Laufe der Jahre sehr verändert haben und wir einige einflussreiche Männer haben, die sich für die Rechte der Frauen*einsetzen, gibt es immer noch viele Menschen, die nicht glauben, dass Frauen den Männern gleichgestellt sind, vor allem in ländlichen Gemeinden.“


Die Geschichte von CJ – über die Bedeutung von Bildung für die Entwicklung von Mädchen und Frauen

„Die Erfahrungen von Frauen und Mädchen in Papua-Neuguinea sind von einem komplexen Zusammenspiel sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Faktoren geprägt. Die Beseitigung der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, die Verbesserung des Zugangs zu Bildung und Gesundheitsversorgung und die Förderung der wirtschaftlichen Selbstbestimmung sind entscheidende Schritte zur Schaffung einer integrativeren und gerechteren Gesellschaft. Wenn wir diese Herausforderungen verstehen und angehen, können wir auf eine Zukunft hinarbeiten, in der jede Frau und jedes Mädchen in Papua-Neuguinea gedeihen und ihr Potenzial ausschöpfen kann.

Das Leben einer Frau in Papua-Neuguinea ist mit vielen Herausforderungen, aber auch mit Schönheit verbunden. Das Leben ist eng mit der Familie, der Spiritualität und den Rhythmen der Natur verbunden. Zu den Schwierigkeiten gehört der Druck der Traditionen – von Mädchen kann erwartet werden, dass sie schon in jungen Jahren bei der Hausarbeit helfen und früh heiraten. Häusliche Gewalt ist leider immer noch weit verbreitet. In abgelegenen ländlichen Gebieten mit wenigen Ressourcen kann der Zugang zu Bildung und Arbeit eingeschränkt sein. Frauen verfügen jedoch auch über große Stärke, Widerstandsfähigkeit und Unterstützung durch die Gemeinschaft.

Insgesamt werden jedes einzelne Mädchen und jede einzelne Frau ihre eigene Meinung haben, die auf ihrer Erziehung und ihren Lebenserfahrungen beruhen. Zunächst einmal sind die meisten Mädchen, vor allem in ländlichen Gegenden, durch die Kultur und Tradition ihrer Gemeinschaft geprägt. Sie bestimmen ihre Interessen, ihre Einstellungen und ihren Lebensstil.

In PNG gibt es, wenn man als Mädchen oder als Frau aufwächst, Tabus und Erwartungen, vor allem in unserer melanesischen Gesellschaft, in der Frauen*unterwürfig sein sollen. Heiraten, Kinder gebären und sich natürlich um den ganzen Stamm der Schwiegereltern kümmern. Gärten anlegen, sich um Schweine kümmern usw. Das waren die Anfänge bis in die 1990er Jahre. Für mich persönlich war es jedoch schwer, als Mädchen aufzuwachsen.  In den frühen 2000er Jahren wurde uns gesagt, wir sollten uns so verhalten, wie unsere Eltern es wollten. Als ich jedoch zur Frau* heranwuchs, änderte sich alles. Die Dinge änderten sich drastisch: durch die Qualität der Bildung, die wir erhielten, hat sich viel gewandelt und auch durch den westlichen Einfluss auf unsere traditionelle Kultur.

Für mich war es sehr schwer, 9 Jahre lang, ohne meine Eltern aufzuwachsen. Nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, wurde ich von einem Verwandten meiner Mutter betreut. Als ich 10 Jahre alt war, wurden wir von einer Familie zur anderen geschickt, um bei ihnen zu wohnen und zur Schule zu gehen. Als meine kleine Schwester 8 und ich 14 Jahre alt war, sahen wir unsere Mutter nur noch in den Weihnachtsferien. Obwohl meine Mutter uns Geld schickte, muss ich als ältestes Kind in der achten Klasse, ich schätze 14 Jahre alt, Geld abheben gehen, um die Essensrationen für mich und meine Schwester zu bezahlen. Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der Verwandte und Familien aufeinander angewiesen sind, aber es war trotzdem schwer. Ich wurde schon früh für unabhängig gehalten, kochte für meine Schwester und mich, kümmerte mich um meine Schwester und ging zur Schule.

Trotz der Herausforderungen, die ich durchgemacht habe, habe ich es geschafft, ein australisches Stipendium zu bekommen, nachdem ich die Sekundarstufe II der Klasse 12 abgeschlossen hatte. Es war ein Privileg für mich, da das australische Stipendium für Krankenpflege mir dabei half, mein dreijähriges Universitätsstudium abzuschließen und 2015 mit einem Diplom in allgemeiner Krankenpflege abzuschließen. Im Jahr 2016 habe ich meinen ersten Job bekommen. Damit habe ich allen um mich herum und meiner Gesellschaft bewiesen, dass ich, obwohl ich ein Mädchen bin, in der Gesellschaft etwas bewirken kann. Ich kann für mich selbst sorgen und bin eine unabhängige Frau*, die nicht auf einen Mann angewiesen ist.

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Insgesamt bin ich jetzt in einer Position, in der ich mich um meine Mutter und meine jüngere Schwester und auch um die Verwandten meines verstorbenen Vaters kümmere. Ich habe jetzt meine eigenen Entscheidungen für mein eigenes Leben getroffen. Ich stehe über all diesen Schmerzen und Kämpfen und bin die Person, die ich jetzt sein möchte. Ich bin nicht an die Traditionen, den Glauben, die Kultur und die Erwartungen der Gesellschaft als Frau* in meiner Zeit in meinem Land gebunden.“

Übersetzt aus dem Englischen mit Unterstützung der KI DeepL.com von Franziska Ilse-Shams

Franziska Ilse-Shams

Eine-Welt-Regionalpromotor*in für Anhalt-Bitterfeld, Dessau, Wittenberg und Nördlicher Saalekreis
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