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Veranstaltung

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(Neuro-) Diversität und Normalität? Konzepte zur Beschreibung menschlichen Erlebens und Verhaltens: Eine kritische Analyse neurologisch-psychiatrischer Diagnostik und Rehabilitation

Lutherstadt Wittenberg, Leucorea
17. bis 19. April 2015 | Fr.–So.

Multiple Sklerose, Tourette, ... Autismus oder Aphasien: Personen mit diesen Diagnosen erweitern die Diversität, die Vielfalt unserer Gesellschaft um eine weitere Dimension. Allerdings führen ihre Biografien oft aus den „Normalitäten“ eines freien Bürgerlebens hinaus in Parallelwelten, verbunden mit der Exklusion aus Teilbereichen gesellschaftlichen Lebens. Daher scheint es sinnvoll, die Bedeutung von Diagnostik und Diagnosen für Prozesse der Exklusion kritisch zu hinterfragen.

Die genannten neurologischen Diagnosen etwa sind nach der aktuellen schulmedizinischen Sichtweise auf gestörte oder gar defekte Hirnstrukturen und -funktionen zurückzuführen. Vertreter der Menschenrechtsbewegung „Neurodiversität“ kritisieren eine solche Defizitorientierung jedoch radikal. Sie fragen, ob sich für das menschliche Gehirn „Normalität“ und Gesundheit überhaupt definieren lassen. Für sie ist die Gleich-Bewertung des (neurologisch) Verschiedenen der Leitgedanke auf dem Weg zu vollständiger gesellschaftlicher Partizipation. Aber führt diese Sicht zu sinnvolleren praktischen Konsequenzen in Forschung und Rehabilitation? „Verträgt“ sie sich mit sozialrechtlich verankerten diagnoseabhängigen Konzepten der Förderung, Unterstützung oder des Nachteilsausgleichs? Welcher Perspektivwechsel hilft uns weiter?

Im Dialog mit Vertretern/-innen verschiedener Wissenschaftsperspektiven, Menschen aus der Selbstvertretung sowie Praxisfachleuten hinterfragen wir die Implikationen defizitorientierter Diagnostik und die Folgen des Konzepts der Neurodiversität. Aus verändertem Blickwinkel diskutieren wir über Identitätskonflikte neurologisch diagnostizierter Bürger/-innen zwischen Eigenheit, „Störung“ und „Normalität“ und lernen Handlungsoptionen, -spielräume und Problemlösungsansätze sehr verschiedener gesellschaftlicher Akteure kennen.

Begleitend findet eine Ausstellungseröffnung mit der Leipziger Inklusions-Künstlerin Gee Vero statt: Bareface: Die Kunst der Inklusion.

Für weitere Informationen fragen Sie bitte Anne-Maren Richter oder Susanne Faby.

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