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Dr. Michael Frieß

Da Herr Dr. Frieß den Vortrag von Herrn Professor Berner kommentieren wird, stellen wir ihn zeitgleich mit ihm vor.

Sein Werdegang in einigen Stichworten:
Michael Frieß, Jahrgang 1974, seit 20 Jahren als Rettungsassistent im Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Studium der Theologie in München, 2003 bis 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Prof. Dr. F. W. Graf (LMU München), Promotionsstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung, 2007 Promotion bei Prof. Dr. C. Schwarke (TU-Dresden). Seit 2008 Vikar und danach Pfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Derzeit Gemeindepfarrer in Landsberg am Lech.

In Anlehnung des Titels seines Kommentars - "Du sollst nicht töten" - hat er folgende Frage beantwortet: "Warum soll man nicht töten?"

"Das Tötungsverbot galt in der christlich jüdischen Tradition noch nie absolut. Schon immer war klar: In Notwehr oder im Krieg, bei Tieren oder in extremen Ausnahmesituationen kann es für Christen Gründe geben, die eine Tötung als gerechtfertigt erscheinen lassen. Jahrhunderte galt den Christen auch die Todesstrafe als angemessene Reaktion auf schlechtes Handeln.
Völlig unklar ist, warum die Evangelischen Kirchen in Deutschland dann ausgerechnet bei der Frage um aktive Sterbehilfe und assistierten Suizid suggerieren, dass Christen schon immer und ausnahmslos menschliches Leben schützen.
"Man" - Christen - sollen aus meiner Sicht keine Menschen töten. Gott hat jeden Menschen gewollt, jeder Mensch hat das Recht seine gottgegeben Gaben und seine Freiheit auszuleben. Diese Möglichkeiten sollen keinem Menschen genommen werden.
Unbedingt muss man aber fortwährend darüber diskutieren, wo schützenswertes menschliches Leben beginnt: bei der Befruchtung, ab einem bestimmten Entwicklungsstadium, bei der Geburt, etc . Und es wird weder Einigkeit noch Klarheit darüber geben, welche Ausnahmen von dieser "Soll-Bestimmung" für die Christen in ihrem jeweiligen zeitlichen und örtlichen Umfeld akzeptabel sind. Konkret heißt das im aktuellen Sterbehilfe-Diskurs: Darf ein Mensch das ihm geschenkte Leben selbst zurück in Gottes Hand legen, wenn er beispielsweise unheilbar erkrankt ist, bald sterben wird, und er selbst sein Leben nur noch als Leidenszeit bewertet?"

Warum freuen Sie sich auf den Vortrag von Herrn Berner, Herr Frieß? Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz:

"Ich freue mich auf Prof. Berners Vortrag, den ich kommentieren werde, weil ... sein Blick in die christliche Kulturgeschichte zeigen wird, dass das Ringen um den Geltungsbereich des Tötungsverbots zu den notwendigen Diskursaufgaben jeder Gesellschaft gehört. Einfache Antworten im Gestus des Allgemeingültigkeits-Anspruchs wird es an diesem Nachmittag nicht geben."

Warum sollte man sich auf den Weg nach Wittenberg zur Tagung machen?

"Das Wesen des Protestantismus ist die Pluralität von religiösen Haltungen und ethischen Bewertungen. Aus gutem Grund kennen wir Evangelischen kein zentralistisches Lehramt. Wenn EKD-Gremien ihren Mitgliedern eine Haltung etwa zur aktiven Sterbehilfe vorschreiben wollen, regt das an zum Widerstand und zugleich die Lust auf horizont-erweiternde Debatten in Wittenberg."

Schlagworte:  ars14

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